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Referenz · Case Study
Infrastrukturbau

55 Stunden ohne Spielraum: Simulation sichert reibungslose Abläufe

Eine Brückenerneuerung in einer sehr engen Sperrpause, mit Abriss, Verschub und Wiederherstellung von Brücke und Trasse im selben Zeitfenster. Hier galt: reibungslose Abläufe, keine Zufälle. Über die Simulation des Bauablaufs haben wir Logistik und Massenbewegungen abgesichert und konnten kritischen Konflikten frühzeitig gegensteuern. In der Ausführung hielt die Sperrpause.

Auftraggeber
DB InfraGO
Projekt
EÜ Else
Ort
Herford, Nordrhein-Westfalen
Zeitraum
05/2023 – 09/2023
Leistung
Simulation · Process Engineering
<55 h
Sperrpause, eingehalten
>3
kritische Konflikte aufgedeckt
9 Mio €
abgesichertes Projektvolumen
01Ausgangslage

Die Herausforderung

Die Erneuerung der Eisenbahnbrücke Else musste innerhalb einer außergewöhnlich kurzen Sperrpause von nur 55 Stunden umgesetzt werden. In diesem engen Zeitfenster waren sämtliche kritischen Bauphasen abzuwickeln: vom Rückbau des Bestandsbauwerks über den Einhub und Verschub der neuen Brücke bis hin zur Wiederherstellung der Trasse. Für Verzögerungen oder ungeplante Ereignisse gab es keinen Spielraum.

Projektanforderungen
  • Sperrpause von lediglich 55 Stunden
  • Rückbau, Verschub und Wiederherstellung innerhalb eines zusammenhängenden Zeitfensters
  • Hohe Abhängigkeit zwischen Bauablauf, Logistik und Maschineneinsatz
  • Keine Möglichkeit für Nacharbeiten oder zeitliche Reserven
  • Absicherung eines reibungslosen Bauablaufs vor Beginn der Ausführung
Simulationsmodell der Baustelle aus der Vogelperspektive: Bestandsbrücke über der Else, Raupenkran, Turmdrehkran, Bagger und Transportfahrzeuge auf den Baustelleneinrichtungsflächen
02Vorgehen

Unser Ansatz

Im Rahmen der Leistungsphase 5 haben wir den geplanten Bauablauf mit unserer Prozesssimulationssoftware digital abgebildet und analysiert. Dafür wurden die tatsächlichen Leistungsdaten der vorgesehenen Maschinen, die Baustellenumgebung sowie die Baustelleneinrichtungspläne in ein gemeinsames Simulationsmodell integriert. Durch die Verknüpfung von Bauablauf, Logistik und räumlichen Randbedingungen konnten wir die Planung auf Funktionalität prüfen und potenzielle Konflikte frühzeitig identifizieren.

Vorgehensweise
  • Modellierung der gesamten Baustellenumgebung
  • Integration der Baustelleneinrichtungs- und Logistikflächen
  • Simulation der geplanten Bauabläufe mit realen Maschinen- und Leistungsdaten
  • Darstellung von Material- und Massenbewegungen
  • Validierung von Transportwegen und Logistikprozessen
  • Analyse von räumlichen und zeitlichen Abhängigkeiten
Simulationsmodell der EÜ Else von oben: neue Fachwerkbrücke mit Gleis über dem Fluss, Schottermieten, Kran und Baustraßen im Umfeld
03Ergebnis

Das Ergebnis

Durch die simulationsgestützte Analyse konnten kritische Konflikte bereits vor Baubeginn erkannt, bewertet und gemeinsam mit dem Projektteam gelöst werden. Die entwickelten Alternativen wurden simuliert, validiert und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Terminplan und Logistik überprüft. So entstand eine belastbare und ausführungsreife Bauablaufplanung – und in der Ausführung hielt die 55-stündige Sperrpause.

Mehrwert für DB InfraGO
  • Frühzeitige Identifikation räumlicher und zeitlicher Konflikte
  • Nachweis der Umsetzbarkeit innerhalb der 55-stündigen Sperrpause
  • Validierte Logistik- und Transportkonzepte
  • Transparente Darstellung von Bauabläufen und Massenbewegungen
  • Risikominimierung vor Beginn der Ausführung
  • Sperrpause in der Ausführung eingehalten
Simulationsmodell der Brücke mit den roten Verschubeinrichtungen in den Baugruben beidseits des Flusses
Konfliktanalyse

Von identifizierten Konflikten zur validierten Lösung

In der Simulation aufgedeckte räumliche und zeitliche Konflikte wurden in Projekt-Jour-Fixes besprochen, gelöst und erneut validiert, und zwar chronologisch entlang des Bauablaufs. Die Konflikte bauten aufeinander auf: Jede Lösung löste den nächsten aus.

Identifizierte Konflikte
Validierte Lösungen
Räumlicher Konflikt

Der geplante Baggereinsatz kollidierte mit vorhandenen Infrastrukturkomponenten und konnte den Arbeitsbereich nicht erreichen.

Lösung

Anpassung der Baggerposition und Neuplanung des Aushubs.

Zeitlicher Konflikt

Durch die Verlagerung des Baggers entstanden längere Transportwege für den Erdaushub, wodurch die Sperrpause überschritten worden wäre.

Lösung

Erhöhung der LKW-Kapazitäten zur Kompensation längerer Transportwege.

Räumlicher Konflikt

Zusätzliche Transportfahrzeuge führten zu Staus an einer Engstelle und reduzierten die Leistungsfähigkeit der Logistik.

Lösung

Optimierung der Baustraßen und Schaffung von Ausweichstellen zur Vermeidung von Verkehrsengpässen.

Ohne Simulation

Ohne Simulation wären die drei Konflikte erst auf der Baustelle sichtbar geworden – nacheinander, mitten in der laufenden Sperrpause. Jede Lösung hätte vor Ort improvisiert werden müssen und den nächsten Konflikt ausgelöst. Wird eine Sperrpause überzogen, bleibt die Strecke länger gesperrt als geplant: Züge fallen aus oder werden umgeleitet, und unfertige Arbeiten lassen sich nicht einfach am nächsten Tag fortsetzen – dafür muss erst ein neues Zeitfenster geplant werden.

FAQ

Häufige Fragen zum Projekt

Alle Fragen & Antworten

Wie sichert eine Bauablaufsimulation eine kurze Sperrpause ab?

In einer kurzen Sperrpause gibt es keinen Spielraum für Verzögerungen, Nacharbeiten oder zeitliche Reserven. Die Simulation bildet den geplanten Bauablauf vorab digital ab, mit den realen Leistungsdaten der Maschinen, der Baustellenumgebung und den Baustelleneinrichtungsplänen. So lässt sich vor Beginn der Ausführung prüfen, ob alle Bauphasen in das Zeitfenster passen. Bei der EÜ Else wurde auf diese Weise die Umsetzbarkeit innerhalb der 55-stündigen Sperrpause nachgewiesen – und in der Ausführung wurde die Sperrpause eingehalten.

Welche Konflikte deckt eine Bauablaufsimulation auf?

Sie macht räumliche und zeitliche Konflikte sichtbar, bevor sie auf der Baustelle entstehen. Räumlich heißt etwa: Ein Bagger erreicht seinen Arbeitsbereich nicht, oder Transportfahrzeuge stauen sich an einer Engstelle. Zeitlich heißt: Längere Transportwege verlängern den Ablauf so, dass die Sperrpause überschritten würde. An der EÜ Else wurden solche Konflikte in Projekt-Jour-Fixes gelöst und die Lösungen anschließend erneut simuliert.

Warum hängen Bauablauf und Logistik bei einer Brückenerneuerung so eng zusammen?

Bei einer Brückenerneuerung in der Sperrpause laufen Rückbau, Einhub und Verschub der neuen Brücke sowie die Wiederherstellung der Trasse in einem zusammenhängenden Zeitfenster. Jede Änderung an Maschinenposition oder Transportweg wirkt sich direkt auf Massenbewegungen und Termine aus. An der EÜ Else verlängerte die Verlagerung eines Baggers die Transportwege für den Erdaushub, das wurde mit zusätzlichen LKW-Kapazitäten ausgeglichen. Deshalb lohnt es sich, Bauablauf, Logistik und räumliche Randbedingungen in einem gemeinsamen Modell zu prüfen.

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