Zwölf Wochen Sperrpause: Simulation sichert die Abfolge im Container
Der Umbau des Haltepunkts Neupetershain in der Lausitz (Brandenburg) war die Ankermaßnahme in einem zwölfwöchigen Sperrpausen-Container. Sieben Fachdisziplinen stellten gleichzeitig Anforderungen an dieselbe, knappe Fläche. Die Bauablaufsimulation machte sichtbar, wann, wo und warum diese Anforderungen kollidieren, und belegte, dass der Ablauf in die zwölf Wochen passt.
Die Herausforderung
Ziel war ein Bauablauf, der unter den realen Randbedingungen tatsächlich umsetzbar ist, und zwar vollständig innerhalb der zwölfwöchigen Sperrpause. Weil die Maßnahme darin die Ankermaßnahme war, hing der Takt der übrigen Gewerke an ihr. Die eigentliche Engstelle war aber die Fläche: Bestehende Bäume schränkten die nutzbare Baustellenfläche ein. Gleichzeitig sollten die Stützen und Konstruktionen der historischen Bahnsteigdächer demontiert, vor Ort aufgearbeitet und wiederverwendet werden. Die Aufarbeitung, etwa durch Sandstrahlen, brauchte zusätzlichen Platz, der mit allen anderen Bauprozessen konkurrierte.
- Begrenzte Flächen für Arbeit, Lagerung und Abtransport
- Baumschutz: Schutzbereiche nehmen nutzbare Fläche weg
- Denkmalschutz: temporärer Flächenbedarf für die Aufarbeitung der Dachkonstruktionen
- Unterschiedliche Anforderungen der Disziplinen an dieselbe Fläche
- Zu Beginn teilweise fehlende Planung
Unser Ansatz
Die Leitfrage war nicht, wie viele Tonnen Erde bewegt werden, sondern: Wie viel Fläche braucht die Baustelle zu welchem Zeitpunkt, und reicht die vorhandene Fläche überhaupt aus? Dafür haben wir den Bauablauf mit allen Gewerken, Maschinen und Abhängigkeiten simuliert und die Flächenbelegung Phase für Phase verfolgt. Eine Baustelle „atmet“: Arbeits-, Lager- und BE-Flächen entstehen, wandern und verschwinden wieder.
- Verfügbarer gegenüber tatsächlich benötigtem Flächenbedarf je Bauphase
- Anzahl und Lage gleichzeitig benötigter Arbeits-, Lager- und BE-Flächen
- Zeitliche Veränderung der Flächenbelegung über die Bauzeit
- Überschneidungen der Gewerke und daraus entstehende Engstellen
- Zusatzflächen für die Aufarbeitung der denkmalgeschützten Dachkonstruktionen
- Einschränkungen durch Baumschutz
- Varianten der Baugrube: offener Aushub gegenüber Verbau mit Spundwand
Entschieden, bevor gebaut wurde
Die Simulation zeigte allen Beteiligten auf einer gemeinsamen Grundlage, wann, wo und warum ihre Anforderungen an die Fläche kollidieren. Die Konflikte ließen sich so lösen, bevor die Sperrpause begann. Dazu gehörte auch die Entscheidung gegen die offene Baugrube. Am Ende stand der Nachweis, dass der Ablauf innerhalb des zwölfwöchigen Sperrpausen-Containers funktioniert.
- Nachweis: Der Bauablauf passt in die zwölfwöchige Sperrpause
- Engstellen und Flächenkonflikte vor Ausführungsbeginn identifiziert
- Gemeinsames Bild des Ablaufs für alle sieben Fachdisziplinen
- Verbauvariante vor Ausführungsbeginn festgelegt
Sieben Disziplinen, eine Fläche
Auf Seiten der DB waren verschiedene Fachdisziplinen eingebunden. Gerade diese Mischung war entscheidend: Die Beteiligten hatten teils unterschiedliche Anforderungen an dieselbe Fläche und denselben Bauablauf.
- Teamleitung und Fachplaner
DB Personenbahnhöfe / Planungsteam
Sicherstellen, dass die Gewerke technisch und räumlich zusammenpassen.
- Projektsteuerung und Koordination
Projektleitung DB
Termine, Gesamtprojekt und Sperrpausen im Blick.
- Digitale Planungsgrundlagen
BIM-Management
Zusammenführung und Koordination der Modelle aller Beteiligten.
- Bauverfahren
Bautechnologie & Baubetrieb
Praktische Baubarkeit und die notwendigen Zwischenzustände.
- Baustelleneinrichtung
Baulogistik
Flächen, Zufahrten, Lager- und Arbeitsbereiche und wie sie sich über die Bauzeit verändern.
- Baumschutz
Umweltschutz
Bestehende Bäume und ihre Schutzbereiche, die nutzbare Baustellenfläche einschränken.
- Historische Bahnsteigdächer
Denkmalschutz
Erhalt der Dachkonstruktionen: demontieren, vor Ort aufarbeiten, wiederverwenden.
- Das verbindende Element
BII · Bauablaufsimulation
Bringt alle Perspektiven in ein gemeinsames Modell und alle Beteiligten auf den gleichen Stand.
Warum Simulation gerade bei vielen Beteiligten zählt
Je mehr Disziplinen mitreden, desto mehr Anforderungen treffen auf dieselbe Fläche und desto schwerer lassen sie sich in Plänen und Besprechungen gegeneinander abwägen. Jede Disziplin sieht zuerst ihren eigenen Ausschnitt.
Die Simulation übersetzte alle sieben Perspektiven in ein gemeinsames Modell, das Phase für Phase abläuft. Konflikte wurden damit konkret: wann, wo und warum sie entstehen. So ließen sie sich gemeinsam lösen, bevor die Sperrpause begann.
- Projektleitung: Nachweis, dass der Ablauf in die zwölf Wochen Sperrpause passt.
- Planung & BIM: Die Modelle aller Gewerke in einem Ablauf zusammengeführt und räumlich geprüft.
- Bautechnologie: Bauverfahren und Zwischenzustände auf Baubarkeit getestet.
- Baulogistik: Flächen, Zufahrten und Lagerbereiche für jeden Zeitpunkt geklärt.
- Umwelt- & Denkmalschutz: Baumschutz und die Aufarbeitung der Dächer fest im Ablauf verankert.
Von identifizierten Konflikten zur validierten Lösung
Was die Simulation an Konflikten aufdeckte, wurde mit dem Projektteam gelöst und erneut validiert, und zwar vor Beginn der Sperrpause, nicht während ihr.
Eine offene Baugrube hätte einen erheblichen Mehraushub erfordert. Für den Aushub und seine Zwischenlagerung standen am Haltepunkt keine ausreichenden Flächen zur Verfügung.
Ausführung als verbaute Baugrube mit Spundwand: ohne Mehraushub und damit ohne zusätzlichen Flächenbedarf.
Aus dem Simulationsmodell





Warum lohnt sich eine Bauablaufsimulation, wenn viele Beteiligte mitreden?
Je mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, desto mehr Anforderungen treffen auf dieselbe Fläche und denselben Zeitraum. In Plänen und Besprechungen sieht jede Disziplin vor allem ihren eigenen Ausschnitt. Die Simulation führt alle Perspektiven in einem Modell zusammen, das Phase für Phase abläuft. So wird sichtbar, wann, wo und warum Anforderungen kollidieren, und alle Beteiligten entscheiden auf demselben Stand.
Wie hilft Simulation, wenn die Baustellenfläche knapp ist?
Eine Baustelle braucht nicht zu jedem Zeitpunkt gleich viel Fläche: Arbeits-, Lager- und BE-Flächen entstehen, wandern und verschwinden wieder. Die Simulation verfolgt diese Flächenbelegung über die gesamte Bauzeit und vergleicht sie mit der verfügbaren Fläche. Engstellen zeigen sich so vor Baubeginn. Am Haltepunkt Neupetershain führte das zur Entscheidung für eine verbaute Baugrube mit Spundwand statt eines offenen Aushubs.
Was ist ein Sperrpausen-Container?
Ein Sperrpausen-Container bündelt mehrere Baumaßnahmen an einer Strecke in einer gemeinsamen Sperrpause. Die Ankermaßnahme gibt dabei den Takt vor, an dem sich die übrigen Gewerke ausrichten. In Neupetershain war das der Umbau des Haltepunkts innerhalb einer zwölfwöchigen Sperrpause.
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Erzählen Sie uns von Ihrem Bauvorhaben und wir zeigen Ihnen, wie sich der Ablauf vorab absichern lässt.
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