Referenz · Case Study
Infrastrukturbau

Wenn jeder Zentimeter zählt: Baulogistik validiert durch Simulation

Beim Ersatzneubau der Loeringhoff-Brücke musste ein mehrere hundert Tonnen schweres Stahlbauwerk auf engstem Raum zum Fluss transportiert, gedreht und verladen werden. Die Prozesssimulation zeigte bereits vor Baubeginn, dass der geplante Ablauf funktioniert und an welchen Stellen höchste Präzision erforderlich sein würde.

Auftraggeber
Johann BUNTE Bauunternehmung
Projekt
Loeringhoff-Brücke
Ort
Datteln, Dortmund-Ems-Kanal
Zeitraum
2025
Leistung
Simulation · Process Engineering
Fertig montierte Stahlbogenbrücke der Loeringhoff-Brücke auf Schwerlast-Transportern am Dortmund-Ems-Kanal in DattelnDie vormontierte Stahlbrücke auf Schwerlast-Transportern, bereit für die Umsetzung zum Ufer© 2025 Johann Bunte Bauunternehmung
~500 t
Stahlbauwerk auf engstem Raum bewegt
~90°
Drehung der Brücke zur Fahrtrichtung
3 Rotationen
einzelne Schritte statt einer Drehung
01Die Herausforderung

Räumlich war praktisch kein Fehler erlaubt.

Die vormontierte Stahlbrücke musste vom Montageplatz bis zum Fluss transportiert werden. Zwischen Montagefläche, Böschung und Ufer stand jedoch nur ein sehr begrenzter Bewegungsraum zur Verfügung.

Besonders kritisch waren
  • extrem enge Fahrwege
  • starke Höhenunterschiede zum Ufer
  • begrenzte Rangierflächen
  • mehrere aufeinander abgestimmte Kran- und Transportvorgänge
  • keine Möglichkeit für spontane Korrekturen während der Umsetzung

Bereits kleine Planungsfehler hätten den gesamten Ablauf verzögert.

Warum klassische Planung nicht ausreichte

Pläne zeigten zwar die Geometrie der Baustelle, beantworteten aber nicht die entscheidende Frage: Lässt sich der geplante Ablauf mit den realen Fahrzeugbewegungen tatsächlich durchführen?

02Unsere Lösung

Die komplette Baulogistik wurde vorab simuliert.

Das Fundament

Ein realitätsgetreues, digitales Geländemodell des gesamten Baufelds.

Böschungen, Ufer, Rampen und Montageflächen am Dortmund-Ems-Kanal in Datteln wurden exakt so digital nachgebildet, wie sie vor Ort vorlagen: Zentimeter für Zentimeter. Erst dieses 1:1-Abbild der Wirklichkeit machte die Simulation belastbar.

Auf dieser Grundlage wurde jeder einzelne Schritt beim Transport der rund 500 t schweren Stahlbrücke nicht schematisch durchgespielt, sondern im echten Gelände.

Digitales 1:1-Geländemodell der Baustelle im Site Viewer mit Brückenbauwerk, Schwerlast-Transportern und Prozess-Timeline
Simuliert wurden
01sämtliche Transportfahrten
02die Zufahrt zum Flussufer
03das Rangieren der einzelnen SDTs
04der Zusammenbau des Fahrgestells
05sämtliche Kranpositionen
06die Drehbewegungen der Brücke
07Platzreserven während aller Bewegungsabläufe
03Das Ergebnis

Der Ablauf war machbar, aber nur mit maximaler Präzision.

Die Simulation bestätigte die grundsätzliche Umsetzbarkeit der Planung. Gleichzeitig machte sie sichtbar, wo der Ablauf an seine Grenzen kam, und bereitete die Baustellenmannschaft optimal darauf vor.

Sichtbar wurde
  • welche Bewegungen nahezu keinen Spielraum zuließen
  • welche Rangiermanöver höchste Genauigkeit erforderten
  • an welchen Stellen besondere Aufmerksamkeit notwendig war
Vom Modell in die Realität

Was im Modell geplant wurde, lief auf der Baustelle wie vorgesehen.

Blick auf den digitalen Leitstand: Prozessablauf und Transportbewegungen werden am Bildschirm geprüft
Im VorfeldAblauf und Transportbewegungen wurden in der digitalen Simulationsumgebung geplant und geprüft.
Luftaufnahme: Die reale Loeringhoff-Brücke quert auf Schwerlast-Transportern den Dortmund-Ems-Kanal© 2025 Johann Bunte Bauunternehmung
In der UmsetzungDie reale Brücke quert exakt wie simuliert den Dortmund-Ems-Kanal.
Zwei Detailbetrachtungen

Wo die Simulation den Ablauf entscheidend verändert hat

Detail 01

Die Zufahrt zum Fluss war enger als erwartet.

Das Fahrgestell konnte nicht als komplette Einheit zum Ufer transportiert werden. Die Simulation zeigte:

  • die langen SDTs mussten einzeln anfahren
  • jede Transporteinheit musste separat rangiert werden
  • erst am Flussufer konnte das Fahrgestell vollständig montiert werden

Dadurch wurde der tatsächliche Montageablauf frühzeitig abgesichert.

Detail 02

Drei Rotationen statt einer.

Nach der Montage stand die Brücke um etwa 90° versetzt zur späteren Fahrtrichtung. Die Simulation zeigte, dass eine direkte Drehung nicht möglich war. Stattdessen musste die Konstruktion:

  • um einen definierten Punkt bewegt werden
  • in drei einzelnen Rotationsschritten gedreht werden
  • mehrfach neu positioniert werden, um innerhalb der Fläche sicher ausgerichtet zu sein
Mehrwert

Was die Prozesssimulation ermöglicht hat

01
Planung validiert

Der komplette Ablauf wurde vor der Baustelle realitätsnah überprüft.

02
Risiken erkannt

Engstellen und kritische Bewegungen wurden frühzeitig sichtbar.

03
Mannschaft vorbereitet

Alle Beteiligten konnten den Ablauf bereits vor der Umsetzung nachvollziehen.

04
Sicherheit erhöht

Komplexe Rangier- und Hebevorgänge wurden ohne Überraschungen geplant.

Jonas Wolpold, Geschäftsführer der BII GmbH

„Durch die Simulation konnte im Vorfeld bewiesen werden, dass der Ablauf funktioniert. Sie machte auch sichtbar, wo später praktisch kein Spielraum gewesen wäre.“

Jonas Wolpold
Geschäftsführer, BII GmbH
Fazit

Planungssicherheit entsteht nicht auf dem Papier.

Bei komplexen Bauprojekten entscheidet nicht nur die technische Machbarkeit, sondern die tatsächliche Umsetzbarkeit auf der Baustelle. Durch die realitätsnahe Prozesssimulation konnte der gesamte Transport- und Montageablauf der Loeringhoff-Brücke bereits vor Baubeginn und inklusive aller Engstellen, Rangiermanöver und kritischen Bewegungsabläufe validiert werden.

FAQ

Häufige Fragen zum Projekt

Alle Fragen & Antworten

Warum reicht ein Plan nicht, um einen Schwertransport auf engem Raum abzusichern?

Pläne zeigen die Geometrie der Baustelle, beantworten aber nicht, ob sich der Ablauf mit den realen Fahrzeugbewegungen tatsächlich durchführen lässt. Eine Prozesssimulation spielt jede Transportfahrt, jede Kranposition und jede Drehbewegung in einem digitalen Geländemodell durch. So zeigt sich vor Baubeginn, wo Platzreserven fehlen und welche Manöver höchste Genauigkeit erfordern.

Wozu dient ein digitales 1:1-Geländemodell in der Bauablaufsimulation?

Eine Simulation ist nur so belastbar wie ihre Grundlage. Bei der Loeringhoff-Brücke wurden Böschungen, Ufer, Rampen und Montageflächen am Dortmund-Ems-Kanal in Datteln zentimetergenau digital nachgebildet. Erst damit ließ sich der Transport der rund 500 t schweren Stahlbrücke im echten Gelände durchspielen statt nur schematisch.

Was hat die Simulation bei der Loeringhoff-Brücke am Ablauf verändert?

Sie zeigte, dass das Fahrgestell nicht als komplette Einheit zum Ufer transportiert werden konnte: Die Schwerlast-Transporter mussten einzeln anfahren und separat rangiert werden, vollständig montiert wurde erst am Flussufer. Außerdem stand die Brücke nach der Montage um etwa 90° versetzt zur späteren Fahrtrichtung. Statt einer direkten Drehung waren drei einzelne Rotationsschritte um einen definierten Punkt nötig.

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