Glossar · Daten & Digitalisierung
Digitaler Leitstand
Auch bekannt als: Baustellen-Leitstand · Produktionsleitstand
Ein digitaler Leitstand führt die Informationen einer Baustelle an einem Ort zusammen: Termine, Ressourcen, Logistik, Qualität und Kosten. Laufend aktualisierte Ist-Daten werden mit dem geplanten Ablauf verglichen, sodass Abweichungen früh sichtbar werden und Gegenmaßnahmen auf gesicherter Datengrundlage entschieden werden können.
Auf großen Baustellen liegen die wichtigsten Informationen oft verteilt: der Terminplan im Büro, der Fortschritt bei der Bauleitung, die Logistik bei den Nachunternehmern. Ein digitaler Leitstand bringt diese Sichten zusammen. Alle Beteiligten sehen denselben Stand, ob im Baubüro oder aus der Ferne.
Drei Regelkreise: Qualität, Kosten, Produktion
Prof. Dr.-Ing. Christof Gipperich und Prof. Dr. Sebastian von Mammen beschreiben den Leitstand in ihrem begutachteten Fachaufsatz im Bauingenieur (Heft 09/2026) als Steuerungssystem mit drei Regelkreisen. Der Regelkreis Qualität gleicht das Bauwerksmodell mit dem gebauten Zustand ab, der Regelkreis Kosten stellt kalkulierte und tatsächliche Kosten gegenüber, der Regelkreis Produktion steuert Termine, Ressourcen und Logistik anhand aktueller Ist-Daten. Für Qualität und Kosten gibt es solche Strukturen in der Branche bereits, für die Produktion fehlte ein entsprechender Regelkreis bislang.
Vom Soll-Ist-Vergleich zur Prognose
Im Regelkreis der Produktion wird der Ist-Zustand in kurzen Abständen mit dem Soll verglichen. Eine Simulation rechnet hoch, was eine Abweichung für den weiteren Bauverlauf bedeutet, und bewertet mögliche Maßnahmen, bevor sie umgesetzt werden. Die Entscheidung geht als neues Soll zurück in die Produktion. Dafür braucht es nicht die größtmögliche Datenmenge, sondern einen Informationsstand, der zu den anstehenden Entscheidungen passt.
Wo Leitstände heute eingesetzt werden
Erste Elemente eines solchen Leitstands wurden laut den Autoren prototypisch beim Koralmtunnel eingesetzt und werden beim Ausbau des Semmering-Basistunnels umgesetzt. Dort werden Nachunternehmerleistungen über ein zentrales Dispositionssystem gesteuert, in dem Arbeitsaufträge räumlich und zeitlich verortet sind, und die gleisgebundenen Transporte werden zentral koordiniert. Organisatorisch kann ein Leitstand auf der Baustelle stehen oder als virtueller Leitstand dezentral arbeiten.