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Baubarkeit · Einordnung

8 Herausforderungen im Bau und ihre gemeinsame Ursache

Terminpläne, Modelle, Logistikkonzepte: Informationen gibt es genug. Warum Bauprojekte trotzdem ins Stocken geraten und was allen Problemen gemeinsam ist.

Michaela Schlichting5 Min. Lesezeit
Bauablaufsimulation in dProB: links Bauzeichnungen und Terminplan, rechts das Simulationsmodell einer Baugrube mit Lkw und Bagger über einer Zeitachse

Die größten Herausforderungen im Bau haben eine gemeinsame Ursache: Es gibt sehr viele Informationen, aber sie sind nicht miteinander verknüpft. Terminplan, 3D-Modell, Logistikkonzept und Leistungsverzeichnis entstehen oft getrennt voneinander. Ein verständliches Gesamtbild des Bauablaufs ergibt sich daraus nicht von selbst. Wir haben mit unseren Ingenieur:innen die acht Herausforderungen gesammelt, die ihnen in Projekten am häufigsten begegnen.

Herausforderungen im Bau beginnen bei verstreutem Wissen

1. Viele Informationen, kein gemeinsames Gesamtbild

In einem Bauprojekt gibt es zahlreiche Planungsgrundlagen: Terminpläne, 3D-Modelle, Bauphasenpläne, Logistikkonzepte, Leistungsverzeichnisse und Ressourcenplanungen. Sie existieren meist nebeneinander. Wie der Bauablauf als Ganzes aussieht, muss bei komplexen Projekten deshalb häufig jemand „im Kopf“ zusammensetzen.

Sehr erfahrenen Projektbeteiligten gelingt das oft gut. Es lässt sich aber kaum auf andere übertragen und ist gerade für weniger erfahrene Kolleg:innen eine große Hürde.

2. Unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Projekt

Planer:innen sehen ein Projekt meist aus ihrer Fachdisziplin. Bauunternehmen bringen Wissen über Bauverfahren, Logistik, Ressourcen und die tatsächliche Umsetzbarkeit mit. Bauherren fehlt oft ein Werkzeug, um diese Sichtweisen zu einem belastbaren Gesamtbild zusammenzuführen und zu bewerten.

Brüche zwischen Phasen und Beteiligten

3. Planung und Ausführung sind getrennt

Häufig wird über Jahre geplant. Mit dem Übergang in die Ausführung beginnt das Bauunternehmen, den Ablauf auf einer eigenen Grundlage neu und detaillierter zu planen. Dabei gehen Wissen und Zusammenhänge verloren, und Annahmen aus der Planung passen nicht immer zur späteren Ausführung.

4. Jedes Projekt ist ein Unikat mit vielen Beteiligten

Ort, Bauverfahren und Randbedingungen unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Gleichzeitig arbeiten viele Beteiligte zusammen: Bauherr, Planung, Bauunternehmen, Projektsteuerung, Fachplanung und Nachunternehmen. Sie haben unterschiedliche Kompetenzen, Interessen und Informationsstände und arbeiten oft an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten.

Risiken werden zu spät sichtbar

5. Die Baubarkeit wird zu spät geprüft

Eine Planung kann in sich korrekt sein, ohne dass jemand geprüft hat, ob sie unter realen Baustellenbedingungen umsetzbar ist. Diese Baubarkeit zeigt sich erst, wenn Terminplan, räumliche Situation, Logistik, Ressourcen, Bauverfahren und Abhängigkeiten gemeinsam betrachtet werden.

Wie eng diese Faktoren zusammenhängen, zeigt die Erneuerung der Eisenbahnüberführung Else für die DB InfraGO. Die gesamte Maßnahme musste in eine Sperrpause von 55 Stunden passen. In der Simulation zeigte sich, dass der geplante Bagger seinen Arbeitsbereich wegen vorhandener Infrastruktur nicht erreichte. Die neue Baggerposition verlängerte die Transportwege für den Aushub, und die Sperrpause wäre überschritten worden. Zusätzliche Lkw hätten das ausgeglichen, aber an einer Engstelle einen Stau verursacht. Erst mit angepassten Baustraßen und Ausweichstellen ging der Ablauf auf, und zwar vor Baubeginn.

6. Fehler fallen erst in der Ausführung auf

Planungsfehler, Abstimmungsprobleme oder unrealistische Annahmen werden oft erst auf der Baustelle erkannt. Dazu kommen Fehler, die in der Ausführung selbst entstehen. Die Folgen kennt jede Projektleitung: Verzögerungen, Mehrkosten, Umplanungen und Nachträge.

7. Unschärfen in der Ausschreibung werden zu Nachträgen

Unklare oder unvollständige Planungen und Ausschreibungen lassen Spielraum für Interpretation. Bauunternehmen erkennen solche Risiken und mögliche Nachtragssachverhalte oft schon in der Angebotsphase. In der Ausführung werden daraus zusätzliche Kosten und Konflikte.

Neue Methoden brauchen mehr als Technik

8. Etablierte Arbeitsweisen verändern sich langsam

Viele Prozesse, Rollen und Arbeitsweisen in der Branche sind über Jahre gewachsen. Neue digitale oder kollaborative Methoden müssen deshalb nicht nur technisch funktionieren. Sie müssen sich auch in bestehende Strukturen einfügen und für alle Beteiligten einen erkennbaren Nutzen haben.

Fazit: Das fehlende Glied ist ein prüfbares Gesamtbild

Alle acht Herausforderungen führen auf dieselbe Frage zurück, auf die es in vielen Projekten keine gemeinsame, belastbare Antwort gibt:

Was soll wann, wo, wie, mit welchen Ressourcen und unter welchen Abhängigkeiten gebaut werden, und funktioniert dieser geplante Ablauf tatsächlich?Marlon Gilfert, COO & Leiter Process Engineering

Genau hier setzt die Bauablaufsimulation an. Sie verknüpft die vorhandenen Informationen zu einem Modell des Bauablaufs und prüft, ob er unter realen Bedingungen aufgeht. Wie sich das von einer reinen Visualisierung unterscheidet, lesen Sie im nächsten Beitrag. Wie wir dabei vorgehen, zeigt unsere Seite zum Process Engineering.

Häufige Fragen

Was sind die größten Herausforderungen in Bauprojekten?

Zu den größten Herausforderungen gehören fehlende Gesamtbilder trotz vieler Informationen, eine späte Prüfung der Baubarkeit und Brüche zwischen Planung und Ausführung. Dazu kommen viele Beteiligte mit unterschiedlichen Sichtweisen, spät erkannte Risiken und unklare Ausschreibungen, die zu Nachträgen führen.

Was bedeutet Baubarkeit?

Baubarkeit beschreibt, ob und wie sich eine Planung unter realen Baustellenbedingungen umsetzen lässt. Dazu werden Terminplan, räumliche Situation, Logistik, Ressourcen, Bauverfahren und Abhängigkeiten gemeinsam betrachtet.

Wie lassen sich Nachträge im Bau vermeiden?

Nachträge entstehen oft aus unklaren oder unvollständigen Planungen und Ausschreibungen. Je früher der geplante Bauablauf als Ganzes geprüft wird, desto weniger Interpretationsspielraum bleibt und desto seltener werden Risiken erst in der Ausführung sichtbar.

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