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Grundlagen · Terminplanung

Warum ein Terminplan allein nicht reicht: 6 blinde Flecken

Ein Terminplan zeigt, wann gebaut wird, aber nicht, ob es so geht. Sechs blinde Flecken, an denen zeitlich plausible Abläufe scheitern, und wann Sie Ihren Plan prüfen sollten.

Michaela Schlichting6 Min. Lesezeit
Zwei Draufsichten aus der Bauablaufsimulation am Haltepunkt Neupetershain. Oben, was der Terminplan vermutet: Der Erdaushub passt auf die vorhandene BE-Fläche. Unten, was die Simulation für die offene Baugrube zeigt: Sie bräuchte eine zusätzliche, rot markierte Fläche, die es nicht gibt

Ein Terminplan reicht allein nicht aus, sobald Flächen, Logistik und Gewerke eng zusammenhängen: Er zeigt, wann gebaut werden soll, aber nicht, ob der Ablauf unter den realen Bedingungen der Baustelle ausführbar ist. Zwei Vorgänge können zeitlich parallel geplant sein und trotzdem nicht gleichzeitig stattfinden, weil sie denselben Platz brauchen. Hier lesen Sie, welche sechs blinden Flecken ein Terminplan typischerweise hat, wann er trotzdem genügt und wann Sie ihn prüfen lassen sollten.

Was ein Terminplan leistet und was nicht

Ein Terminplan ordnet die Vorgänge eines Bauvorhabens zeitlich, verknüpft sie logisch und legt Meilensteine fest. Ohne ihn lässt sich kein Projekt steuern. Bauherren arbeiten schon in der Planung mit ersten Rahmenterminplänen, die bis zur Ausführung immer konkreter werden.

Eine Frage beantwortet der Terminplan aber nicht: ob die Arbeiten zum geplanten Zeitpunkt auch räumlich, logistisch und mit den vorgesehenen Kapazitäten machbar sind. Zeitlich und logisch abgestimmt heißt noch nicht ausführbar. Das spricht nicht gegen die Terminplanung. Komplexe Bauvorhaben brauchen nur eine zusätzliche Ebene der Prüfung.

Sechs blinde Flecken im Terminplan

Diese sechs Punkte entscheiden über den Termin, stehen aber in keinem Balken. Die ersten drei sind nach der Erfahrung unseres Process Engineering besonders folgenreich.

1. Platz und Flächen über die Zeit

Der Terminplan sagt nicht, ob zum geplanten Zeitpunkt die nötigen Flächen frei sind. Typisch sind:

  • Zwei Gewerke brauchen gleichzeitig dieselbe Arbeitsfläche.
  • Eine Baustelleneinrichtungsfläche wird schon für einen anderen Bauzustand gebraucht.
  • Materiallager, Geräte und Verkehrswege blockieren sich gegenseitig.

2. Logistik und Transportwege

Wie Material, Personal und Maschinen an ihren Einsatzort kommen, bildet ein Terminplan selten ausreichend ab. Zufahrten, Engstellen, Umschlag und Transporte, die sich behindern, stecken unsichtbar in den Dauern der anderen Vorgänge (siehe Baulogistik).

3. Geschätzte statt berechnete Dauern

Dauern werden häufig aus Erfahrungswerten angenommen. Ob die Leistung unter den konkreten Randbedingungen erreichbar ist, prüft dabei nicht immer jemand. Zu knappe Dauern sind eine häufige Ursache für Verzug.

4. Geräte und Kolonnen

Ein Gerät muss nicht nur verfügbar sein. Es muss den Arbeitsort erreichen, braucht dort Bewegungsfläche und darf nicht gleichzeitig an anderer Stelle eingeplant sein.

5. Räumliche Abhängigkeiten zwischen Gewerken

Terminpläne enthalten logische Verknüpfungen, räumliche bleiben oft unberücksichtigt. So stehen Vorgänge parallel im Plan, die wegen ihres Platzbedarfs nicht gleichzeitig ausführbar sind.

6. Störungen und Varianten

Ein Terminplan zeigt einen bevorzugten Soll-Ablauf. Was passiert, wenn Maschinen weniger leisten oder ein Arbeitsbereich später frei wird, bleibt offen.

Besonders kritisch sind die räumlichen und logistischen Punkte: Sie sind im Terminplan nicht unmittelbar erkennbar und fallen deshalb teilweise erst während der Bauausführung auf.

Ein Terminplan zeigt, wann gebaut werden soll. Er beweist nicht, dass der vorgesehene Ablauf tatsächlich funktioniert.Marlon Gilfert, COO & Leiter Process Engineering

Beispiel: Der Takt stimmt, die Fläche nicht

Beim Umbau des Haltepunkts Neupetershain für die DB InfraGO hing der Takt einer zwölfwöchigen Sperrpause an dieser Maßnahme. Die eigentliche Engstelle war aber die Fläche: Sieben Fachdisziplinen stellten gleichzeitig Anforderungen an denselben knappen Platz. Schutzbereiche bestehender Bäume und die Aufarbeitung der historischen Bahnsteigdächer vor Ort nahmen zusätzlich Fläche weg.

Die Simulation verfolgte deshalb Phase für Phase, wie viel Fläche die Baustelle wann braucht. Dabei zeigte sich etwa, dass eine offene, geböschte Baugrube durch den Mehraushub Platz gebraucht hätte, den es nicht gab. Die Entscheidung fiel vor Ausführungsbeginn auf eine verbaute Baugrube. Im Terminplan hatte jeder Vorgang sein Zeitfenster, die Konflikte um die Fläche zeigte erst die Simulation. So ließen sie sich lösen, bevor die Sperrpause begann.

Wann der Terminplan reicht und wann Sie ihn prüfen sollten

Ein Terminplan allein kann völlig ausreichen, wenn das Vorhaben überschaubar ist, wenige Gewerke gleichzeitig arbeiten, genug Fläche und Ressourcen da sind, die Abläufe vielfach erprobt sind und keine kritischen Terminfenster bestehen.

Je komplexer die räumlichen, logistischen und zeitlichen Abhängigkeiten werden, desto mehr bringt eine Bauablaufsimulation. Sie ersetzt den Terminplan nicht, sondern prüft ihn: Dauern ergeben sich aus Mengen, Geräteleistungen, Transportkapazitäten und gegenseitigen Behinderungen, Varianten lassen sich unter gleichen Annahmen vergleichen. Ein 3D-Modell, das den Terminplan nur abspielt, leistet das nicht (siehe Visualisierung oder Simulation).

Auch eine Simulation ist nur so belastbar wie die zugrunde gelegten Leistungsannahmen.Marlon Gilfert, COO & Leiter Process Engineering

Fazit: Den Terminplan prüfen, bevor er Vertrag wird

Den größten Spielraum haben Sie vor der Vergabe. Erkannte Probleme lassen sich dann mit vergleichsweise geringem Aufwand berücksichtigen. Stellen Sie zu jedem Terminplan zwei Fragen:

  1. Wurde er nur zeitlich und logisch abgestimmt, oder auch darauf geprüft, ob die Arbeiten unter den tatsächlichen räumlichen, logistischen und kapazitativen Randbedingungen ausführbar sind?
  2. Welche kritischen Bauzustände wurden überprüft, und welche Annahmen liegen den Vorgangsdauern zugrunde?

Wie wir Bauherren dabei unterstützen, lesen Sie auf unserer Seite für Bauherren.

Häufige Fragen

Was ist ein Terminplan im Bau?

Ein Terminplan, auch Bauzeitenplan oder Balkenplan genannt, ordnet die Vorgänge eines Bauvorhabens zeitlich, verknüpft sie logisch und legt Meilensteine fest. Er zeigt, wann welche Arbeiten stattfinden sollen. Ob sie räumlich und logistisch ausführbar sind, zeigt er nicht.

Wie prüfe ich, ob ein Terminplan realistisch ist?

Fragen Sie, worauf die Vorgangsdauern beruhen und ob Flächen, Transportwege und Geräte für jeden Zeitpunkt geprüft wurden. Bei komplexen Projekten lässt sich der Ablauf mit einer Bauablaufsimulation durchrechnen, die auch Varianten vergleicht.

Ersetzt eine Bauablaufsimulation den Terminplan?

Nein. Sie ergänzt ihn um eine Prüfebene und zeigt, ob der geplante Ablauf räumlich, logistisch und mit den vorgesehenen Kapazitäten funktioniert. Die planerische Verantwortung bleibt bei den zuständigen Projektbeteiligten.

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Blinde Flecken im Terminplan

Die sechs blinden Flecken auf einer Seite, jeweils mit einer Prüffrage, dazu die zwei Fragen, die Sie Planung und Bauunternehmen zu jedem Terminplan stellen sollten.

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